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Freuden und Leiden der Leiharbeiter
Bundestagsabgeordneter Brauksiepe besucht Firma in Ennepetal

Schwelm, 20.08.2009 - Quelle: "Westfälische Rundschau", Klaus Bröking

Zweieinhalb Jahre hat Manfred Weber als Leiharbeiter bei einer Firma gearbeitet. Dann übernahm der Betrieb den Energieelektroniker in eine feste Anstellung. Zwei Monate später war Weber trotzdem arbeitslos.

„Das Unternehmen hat Stellen abgebaut und ich war noch in der Probezeit.” Bei der Firma Gebhardt in Ennepetal erhielt Weber eine zweite Chance. Nach nur vier Monaten als Leiharbeiter wurde er bereits erneut übernommen.

»Bei einem Erfolg ist eine Übernahme zwangsläufig«

Leiharbeiter, sagt Firmenchef Ulrich Gebhardt, sei für ihn die Möglichkeit „sich in der Krise nicht zu verkalkulieren”. Mit 35 Arbeitern und Angestellten und zwei Leiharbeitern stellt seine Firma Sicherheitssysteme her, die das Fehlerrisiko bei Maschinen mindern.

Einer der Leiharbeiter ist der Elektriker Thomas Nüsken. „Ich hatte mich mit meinem Chef überworfen,” sagt Nüsken. Dann war er arbeitslos. Seit Mai 2008 arbeitet er nun bei Gebhardt.

Gestern bekamen er und seine Kollegen Besuch von Ralf Brauksiepe, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU/CSU. Der Hattinger wollte sich über die Situation der Leiharbeiter informieren. „Die Zeitarbeit ist aus dem heutigen Arbeitsmarkt nicht mehr wegzudenken,” sagt der Politiker. Brauksiepe findet aber auch kritische Worte. Er wolle „nicht alle heilig sprechen,” sagt der Christdemokrat. Es gebe auch die Großbetriebe, „in denen die Festangestellten in die Kantine dürfen und die Leiharbeiter ihre Bütterchen mitbringen müssen.” Die Konkurrenz zu den Tarifverträgen sei da. Leiharbeit sei aber ein Sprungbrett, um von der Arbeitslosigkeit wieder in den Beruf zu kommen.

So sieht es der Ennepetaler Unternehmer Gebhardt auch: „Bei einem Erfolg ist eine Übernahme zwangsläufig. Ein Unternehmen ist schließlich da, um zu wachsen.” Gebhardt bekommt seine Leiharbeiter von der Firma Start vermittelt. Deren Geschäftsführer Willhelm Oberste-Beulmann verweist auf die erfolgreiche Bilanz seiner Zeitarbeitsfirma. 2611 Menschen wurden im vergangenen Jahr eingestellt, 1296 haben jetzt ein festes Arbeitsverhältnis. „Auch in diesem, wegen der Wirtschaftskrise nicht eben leichten Jahr, sind bis jetzt 300 Mitarbeiter übernommen worden,” so Oberste-Beulmann.

Inzwischen werden von Start auch Ausbildungsplätze geschaffen: „Wir nehmen den Unternehmen die Bürokratie ab. Sie müssen mindestens 50 Prozent der Ausbildungsvergütung tragen.” Auch von diesem Modell profitiert die Firma in Ennepetal. Nur auf Leiharbeit zu setzen, kann sich Chef Ulrich Gebhardt nicht vorstellen: „Wir benötigen auch Mitarbeiter, die wissen, was wir vor zehn Jahren hergestellt haben und von deren Erfahrung wir profitieren können.”

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