Kommunalwahl (30. August) und Bundestagswahl (27. September) rücken näher. Zeitgleich tummeln sich Vertreter der großen und kleinen Politik vermehrt vor Ort. Diesmal war Marie-Luise Dött in Oberhausen zu Gast. Die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag absolvierte bei Start Zeitarbeit ein Kurz-Praktikum.
„Nein”, winkt die Politikerin ab, „mit der Wahl hat das nichts zu tun”. Sie wolle nur die Chance nutzen, hinter die Kulissen zu schauen. „Denn Zeitarbeit hat in der Öffentlichkeit einen eher schlechten Beigeschmack”, weiß Marie-Luise Dött.
Dessen sind sich auch Josef Brittinger, Leiter der Start-Niederlassung Oberhausen, und Wilhelm Oberste-Beulmann, Vorsitzender der Geschäftsführung Start Zeitarbeiter NRW GmbH, durchaus bewusst. Beide meinen: „Mit Hilfe dieses Praktikums können wir Vorurteile gegenüber unserer Branche abbauen und Zeitarbeit als wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit darstellen.”
1900 Zeitarbeitnehmer beschäftigt Start NRW-weit, 110 davon in Oberhausen. Dazu kommen landesweit 340 Auszubildende, sieben in Oberhausen. In 30 Niederlassungen beschäftigt das Unternehmen 170 Mitarbeiter (sechs in OB). Firmendevise: „Wir bilden aus, führen auf unsere Kosten zusätzliche Qualifikationen durch und bezahlen faire Gehälter”, betont Oberste-Beulmann. Damit sei ein erheblicher Aufwand verbunden. „Wir haben ja nicht die einfachste Zielgruppe”, so Oberste-Beulmann. „Von 20 000 Leuten, die wir uns angucken, können wir in der Regel gerade 2000 vermitteln.”
Eine Mühe, die sich dennoch für alle Beteiligten lohne: „Bereits 300 Übernahmen in reguläre Arbeitsverhältnisse verzeichneten wir in diesem Jahr, davon gilt knapp die Hälfte sogar als schwer vermittelbar”, freut sich der Start-Chef. Passgenauigkeit sei das Zauberwort, verrät Josef Brittinger. Denn: „Vermitteln wir einer Firma oder einem Handwerksbetrieb den falschen Mitarbeiter, haben wir gleich einen Kunden verloren. Brittinger weiter: „Wir bekommen ja keine Subventionen, machen unser Geschäft allein durch die Vermittlung.”
Damit wage Start einen Balanceakt: „Der nur so lange gelingt, wie sich unsere gute Arbeit herumspricht”, sagt Oberste-Beulmann, der sich allerdings auch darüber ärgert, dass schwarze Schafe dem Ruf der Branche zusetzen. Der Geschäftsführer warnt: „Wer sich an eine Zeitarbeitsfirma wendet, dort nur einen Hungerlohn erhält, den Arbeits- und Tarifvertrag nicht ausgehändigt bekommt und für sein Arbeitsmaterial selbst aufkommen soll, der sollte dieser Firma schnellstmöglichst den Rücken kehren.”
Marie-Luise Dött jedenfalls ist sicher: „Start Zeitarbeit beweist, dass die Arbeitsvermittlung eindeutig in private Hände gehört.”
Womit wir dann doch wieder beim Wahlkampf sind.
Praxis für Politik
Die Start Zeitarbeit NRW GmbH wurde vor rund zehn Jahren durch das Land NRW, den Arbeitgeberverband Stahl, den NRW-Handwerkstag, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und kommunale Spitzenverbände gegründet.
Der Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft (BDWi) bietet Abgeordneten regelmäßig im Rahmen der Aktion „Praxis für Politik” Eintagespraktika in den unterschiedlichsten Branchen an.