START Zeitarbeit NRW GmbH

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Politisch korrekte Zeitarbeit
Der Duisburger Personalverleiher Start stellt bevorzugt schwer vermittelbare Arbeitslose ein und schickt sie in die Drehtür. Gewerkschaften und Arbeitgeber wollen es als Gesellschafter so

Bochum, 17.07.2008 - Quelle: "WAZ" Wirtschaft und Finanzen, von Stefan Schulte

Gewerkschaften haben mit Zeitarbeit so ihre Schwierigkeiten. Bei der Start Zeitarbeit NRW sitzt der DGB mit Arbeitgeberverbänden, Kirchen und dem Land auf der Gesellschafterbank. Das lässt erahnen, dass dies kein gewöhnlicher Personalverleiher ist. Die Start GmbH wurde 1995 als eine Art politisch korrekte Zeitarbeitsfirma gegründet. Dass sie dennoch schwarze Zahlen schreibt, ist umso bemerkenswerter.

 

Hauptziel von Start ist es, den Wünschen der Gesellschafter gerecht zu werden. Dazu gehört, nur Arbeitslose einzustellen, die Hälfte davon müssen schwer vermittelbar sein. Nächstes Ziel ist, die Mitarbeiter möglichst schnell wieder loszuwerden. Beides lässt sich mit dem Gewinnstreben eines Unternehmens schwer vereinbaren, das zwar mit dem Land und der Stadt Duisburg auch öffentliche Gesellschafter hat, aber keine Subventionen erhält. Andererseits versetzt es Vorstandschef Wilhelm Oberste-Beulmann in die komfortable Lage, auch Minusgeschäfte freudig der Öffentlichkeit vorzustellen.

 

Gerade steht er inmitten eines Verlustprojektes mit Ansage: In Bochum hilft Start beim Aufbau einer Demenz-WG. Acht arbeitslose Frauen werden dafür zu „Alltagsmanagerinnen” qualifiziert und anschließend an den Betreiber der WG, einen örtlichen Pflegedienst, ausgeliehen. „Wenn nichts schief läuft, werden sie nach etwa einem Jahr übernommen”, sagt Oberste-Beulmann. Das wird nicht reichen, um die Kosten für die elfwöchige Fortbildung auszugleichen. Aber es wird acht Frauen in eine feste Stelle bringen. „Das ist der kommende Bereich”, sagt Oberste-Beulmann und meint die Pflege und Gesundheitsberufe. Beides helfe auch, die mit 18 Prozent noch immer viel zu niedrige Frauenquote der Beschäftigten zu erhöhen. Bisher dominieren noch immer die gewerblichen Tätigkeiten und darin die Männer. Seit 1997 erwirtschaftet die Start GmbH Jahr für Jahr Gewinne, im vergangenen waren es 5,4 Millionen Euro, knapp 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch Start profitiert vom ungeheuren Boom der Zeitarbeit. Die Beschäftigtenzahlen haben sich binnen fünf Jahren mehr als verdoppelt – auf heute knapp 800.000.

 

Start hat im vergangenen Jahr 2600 Arbeitslose eingestellt, davon wurden 1300, also die Hälfte, übernommen. Diesen „Klebeeffekt” gibt die private Konkurrenz mit einem Drittel an. Mehr würde die Rendite empfindlich drücken, schließlich bringen die besten Leute auch dem Verleiher die größten Erlöse. Bei Start hingegen „sollen sie in die Drehtür”, wie Oberste-Beulmann betont. Anders ausgedrückt: Er kann und soll sich einen rein betriebswirtschaftlich ungesunden Klebeeffekt leisten.

 

Mit der Konkurrenz einhellig erfreut ist Start über den neuen Ausbildungsberuf: Seit diesem Jahr können Zeitarbeitsfirmen Personaldienstleistungs-Kaufleute und damit gezielt eigenen Nachwuchs ausbilden. „Das wird die Qualität der Zeitarbeit verbessern”, sagt Oberste-Beulmann. Dem Image dieser aus Quereinsteigern gespeisten Branche könne dies nur gut tun.

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